Der Gletscher rückt vor

Während der Würmvereisung vor ca. 20.000 Jahren drang der Inngletscher nochmals bis in den Raum Haag vor, nachdem er sich in früheren Kaltzeiten sogar annähernd bis Dorfen hatte ausbreiten können. Am Ausgang des Inntals, zwischen den Gipfeln von Wildbarren und Kranzhorn, erreichte die Mächtigkeit des Gletschereises ca. 900 Meter. Das Eis floß hier mit einer Geschwindigkeit von mehreren 100 Metern pro Jahr.

Im Alpenvorland konnten sich die Eismassen fächerförmig ausbreiten. Hier traf der Gletscher auf einen Untergrund aus lockerem Gesteinsmaterial, in den er sich tief eingraben konnte. So entstand im Raum Rosenheim das Stammbecken des Inngletschers. Zum Rand des Eisfächers hin nahmen Eismächtigkeit und Fließgeschwindigkeit und damit auch die ausräumende Kraft des Gletschers ab. Außen an das Stammbecken anschließend wurde noch eine Reihe von Zungenbecken angelegt, im Westen mit dem Mangfallbecken beginnend bis zum Simsseebecken im Osten. Die Beckenverteilung ähnelt damit einer Hand; das Stammbecken ist die Handfläche, die Zungenbecken sind die Finger.

Zwischen den Zungenbecken, wo die Erosionskraft des Gletschers nicht mehr ausreichte, blieben Hochgebiete stehen, die alten Sockel, in denen sich Ablagerungen früherer Kaltzeiten erhalten haben. Das fließende Eis hat hier den Untergrund zwar nicht mehr ausgeräumt, konnte ihn aber wenigstens noch strömungsgünstig umgestalten. So erstrecken sich zwischen den Zungenbecken Drumlinschwärme, in Scharen auftretende, aus Moränenmaterial aufgebaute, stromlinienförmige Hügel mit gestreckt tropfenförmigem Grundriß, deren Längsachsen die Fließrichtung des Eises nachzeichnen. Die Bezeichnung Drumlin für diese Hügel stammt aus Irland (gälisch: druman = Schildbuckel, runder Höcker) und wurde von englischen Eiszeitforschern in die Fachliteratur übernommen.

Der Eisvorstoß hielt an, solange mehr Eis aus den Alpen nachdrängte als im Vorland abschmelzen konnte. Lag dagegen der Gletscherrand längere Zeit an der gleichen Stelle, weil sich Eisnachschub und Abschmelzen die Waage hielten, so häufte sich der fortwährend mit dem Gletschereis herantransportierte Gesteinsschutt zu Wällen und Hügeln aus Geröll und Schotter, den sogenannten Endmoränen auf. Sie markieren die Ausdehnung des Gletschers zur Zeit ihrer Ablagerung.