Der Eisrückzug beginnt

Der Rückzug oder genauer das Zurückschmelzen eines Gletschers setzt ein, sobald nicht mehr genügend Eis aus dem Gebirge nachgeliefert wird, um die Abschmelzverluste im Vorland auszugleichen. Die beiden inneren Moränenwälle des Kirchseeoner Stadiums, die Altdorfer- und die Rechtmehringer Staffel sind bereits Zeugen des beginnenden Eisrückzugs und markieren jeweils Stillstandsphasen im Abschmelzverlauf. Mit dem Zurückschmelzen des Eises verlagerte sich auch der Schmelzwasserabfluß vom Rainbachtal nach Süden in das tiefer gelegene Tal des Altdorfer Mühlbachs, also über Altdorf und Lengmoos zum Inn.

Eine weitere Stillstandsphase im Eisrückzug hinterließ die Endmoränen des Ebersberger Stadiums. Das Schmelzwasser nahm zu dieser Zeit seinen Weg von St. Christoph über Albaching und durch das Nasenbachtal nach Nordosten.

Die nächste Stillstandsphase belegen die Moränenzüge des Ölkofener Stadiums (benannt nach Ölkofen, heute Elkofen bei Grafing). Die Ölkofener Moränen umrahmen in kleinen Bögen die Endbereiche der Zungenbecken und zeigen damit an, dass der bis dahin noch recht einheitliche Eisfächer zunehmend in einzelne Eiszungen in den Becken zerfiel. Im Ölkofener Stadium entwickelte sich im Westflügel des Inngletschers eine sehr markante Entwässerungsrinne, der Leitzach-Gars-Talzug, der vom Leitzachtal ausgehend über Glonn, Grafing, Steinhöring, Ebrach und Soyen das Schmelzwasser Richtung Gars zum Inn leitete.

Solche Talzüge entstanden, weil im Gletscherbereich das Gefälle des Untergrundes nicht nach draußen ins Vorland weist, sondern nach innen zum Stammbecken, wo sich der Gletscher am tiefsten in den Untergrund eingraben konnte. Beim Eisrückzug wurde daher zunehmend tiefer gelegenes Gelände freigegeben, und das Schmelzwasser konnte nicht mehr einfach wie beim Eishochstand über zentrifugale Talrinnen ins Vorland abfließen. Es sammelte sich erst entlang des Eisrandes in einer peripheren Talrinne wie dem Leitzach-Gars-Talzug, bevor ihm wie hier im Bereich des Inntals der Durchbruch ins Vorland gelang. Ähnliche periphere Talrinnen gab es auch im Ostteil des Inngletschers und im Chiemseegletscherbereich.