Warum verschwinden Toteiskessel?

Auch wenn Verlandung ein natürlicher Prozeß ist, hat der Mensch in den letzten Jahrhunderten viele Toteiskessel eingeebnet, weil sie der zunehmend intensiveren und großflächigeren Landwirtschaft im Wege standen. Lesen Sie weiter für mehr Details …

Verfüllung

Viele Toteiskessel werden immer noch als Abladeplatz für Bauschutt, Lesesteine, Astwerk und Schnittgut benutzt. Während durch die vollständig Verfüllung das Biotop gänzlich zerstört wird, beeinträchtigen abgelagerte Grünabfälle wie Astschnitt, altes Heu, oder Gartenabfälle durch Nährstoffeinträge das Gewässer.

Entwässerung

In der Landschaft nicht immer erkennbar ist die Beeinträchtigung durch Ausleitung und Drainagen. Durch Austrocknung wird die Feuchtvegetation zerstört.

Nährstoffanreicherung

Viele Kessel grenzen an intensiv genutzte Äcker und Wiesen. Landwirtschaftlich ausgebrachte Düngestoffe (z.B. Gülle) gelangen durch Abschwemmung und Auswaschung oder Drainagen in die Kesselbiotope. Der Lebensraum für seltene Pflanzenarten, die auf nährstoffarme Verhältnisse angewiesen sind, wird dadurch stark beeinträchtigt oder zerstört. Besonders die Einleitung von düngemittelbelastetem Drainagewasser begünstigt die Nährstoffanreicherung im Toteiskessel und trägt zum vermehrten Pflanzenwachstum und somit zur beschleunigten Verlandung bei.

Beschattung

Es ist ein natürlicher und immer wiederkehrender Vorgang, daß phasenweise Gehölze in Feuchtflächen auftreten. Bei langanhaltenden Überschwemmungen sterben Bäume, die in trockeneren Perioden wieder aufkommen. Bäume und Sträucher können jedoch den Boden derart beschatten, daß Gräser und Blütenpflanzen stark zurückgehen.
Bei vielen Kesseln reichen Fichten inzwischen bis unmittelbar an das Ufer. Von Natur aus sind die Kessel mit Mischwald umgeben. Diese erlauben im Frühjahr eine Besonnung der Wasserfläche, was das Tier- und Pflanzenleben fördert. Dagegen sind Kessel im Fichtenforst oft ganzjährig beschattet und dadurch artenärmer als bei natürlicher Umgebungsvegetation.

Flurbereinigung

Zur Neu- oder Ödlandgewinnung, wie auch zur Verbesserung der Nutzflächen, sind im letzten Jahrhundert Moore und Mineralböden umgebrochen und planiert worden; auch östlich von Haag. Diese Maßnahmen zur Neu- oder Ödlandgewinnung wurden finanziell gefördert und überwiegend mit eigenem Personal sowie Geräten des staatlichen Maschinenparks Karolinenfeld (Rosenheim) vollzogen. Der Großteil der Planierungs- und Drainierungsmaßnahmen in der Region erfolgte im Zeitraum zwischen 1947 und 1965. Eingriffe der Flurbereinigungsbehörde München wurden dagegen in der Haager Soll-Landschaft während dieses Zeitraumes relativ selten durchgeführt und bestanden meist nur aus Flächentausch-Maßnahmen wie z. B. 1960 in Oedenberg. Trotzdem bewirkten die Arbeiten gravierende Änderungen in der Moränenlandschaft.