Sind alle Mulden und Weiher im Haager Land Toteiskessel?

Ob es sich nun bei allen wassergefüllten, verlandeten oder vermoorten Kesseln und Mulden der Haager Moränenlandschaft ausschließlich um Toteiskessel handelt, ist nicht eindeutig geklärt. Zum einen können sich Senken zwischen vom Gletscher aufgeworfenen kleineren Wällen gebildet haben. Zum anderen gibt es im Gebiet auch Lehmgruben, die aufgrund ihrer eckigen Form von den Toteislöchern unterscheidbar sein sollten.

Ob die Lehmgruben immer an ihrer künstlichen Form zu erkennen sind, ist fraglich. So befinden sich z. B. bei Oberhart kreisrunde wassergefüllte Weiher, die nach Aussage des Grundstückseigners ausgehoben wurden: Das Erdreich hätte man zur Verbesserung der teilweise sehr steinigen Äcker verwendet. Auch Löschteiche sind bei den Höfen gegraben worden, und gelegentlich wurde Erdreich abgetragen, um steinige Äcker zu verbessern.

Es ist auch anzunehmen, daß viele Toteiskessel im Haager Bereich, die in Hofnähe liegen, häufig als Feuerlöschweiher dienen. Um Ihr Fassungsvermögen zu erhöhen und zu erhalten wurden und werden sie teilweise ausgetieft und immer wieder entschlammt. Toteiskessel in Wiesen und Weideflächen sind häufig auch als Viehtränken genutzt worden. Daneben wurden sie auch, wie z. B. Kessel Nr. 5 zu Fischweihern umfunktioniert.

Grundsätzlich unterscheiden sich echte Toteiskessel von künstlich geschaffenen Gewässern dadurch, daß

  • Sedimente wie z. B. Mudde, Faulschlamm oder Torf, deren mehrtausendjährige Entwicklung zu belegen ist, in den Kesseln vorliegen.
  • ihre Verlandungsstadien – gerade bei den kleineren Toteiskesseln – schon weit fortgeschritten sind und offene Wasserflächen nur noch in größeren Kesseln vertreten sein dürften (wenn sie nicht von Menschenhand ausgeräumt wurden).
  • die Zonierung ihres Verlandungsbereichs stärker ausgeprägt und ihr Artenbestand größer ist.
  • ihre Umrisse eher unregelmäßig als geradlinig sind.
  • die Hangböschung aufgrund der seit Jahrtausenden wirkenden reliefausgleichenden Prozesse sanfter verläuft.