Die Haager Freyung

Unterhalb der Burg Haag befindet sich die „Freyung“, ein großes lang gezogenes Freigelände von der Kirche bis zum Anwesen Holzner (siehe Karte). Im Mittelalter war dieses Gelände eingezäunt und für Freyungs-Suchende (Asylsuchende) als Zufluchtsort vorgesehen.

Nur ein kleiner Teil der Freyung am Bürgermeister-Trautner-Weg ist heute bebaut. Das übrige Gelände ist unbebaut, in den Flurkarten und im Flächenwidmungsplan als „Freiung“ bezeichnet und durch Gemeindeerlass des Marktes Haag als historisches Freigelände geschützt und mit Bauverbot belegt. Der untere Teil der Freyung hat heute die zusätzliche Bezeichnung „Freiham“, der obere Teil grenzt an den Friedhof.

Dieser Grünzug ist nicht nur historisch sondern auch topographisch interessant, da es sich um eine typische Moränenlandschaft mit sehr bewegten Konturen handelt. So kann man sich ein Bild davon machen, wie Moränen aussehen, insbesondere weil die Haager Endmoräne zunehmend bebaut und zersiedelt wird.

Geschichtliche Aspekte der Freyung

Der Begriff „Freyung“ steht für das vom Kaiser verliehene Recht zur Ausübung der Freyung und des damit verbundenen Asylrechtes. Das Freyungs-Recht von Haag ist durch die Kaiser mehrfach bestätigt worden. Der kaiserliche Lehensbrief für Graf Sigmund von Haag vom 2. Januar 1494 spricht „von der zum Schloß Haag gehörigen kaiserlichen Freyung, wie er und seine Vorfahren dieselbe besessen“. Erstmals 1467 ist von „Geleitten“ die Rede, die sich auf das freie Geleit (Schutz) zur Freyung beziehen, 1494 wird von der „Freyung“ gesprochen, 1510 von „Gelait“ und „Freyungen“, 1522 von „kaiserlichen Freyungen, Zwingen, Pennen, Gelaitten“.

Wie alt das vom Kaiser verliehene Freyungsrecht von Haag genau ist, ist noch nicht ermittelt worden. So weit bekannt, hatten in Süddeutschland nur Grafenau, Landshut und die Grafschaft Haag das Freyungs-Recht.

Nach den schriftlichen Dokumenten hatte das Haager Freyungs-Recht folgende Bewandtnis:

Der Schutzsuchende „Glaitgleiter“ hatte sich auf den grossen Freyungsstein (Findling) innerhalb der Freyung zu stellen, wollte er kaiserliches Geleit, Schutz und Schirm von der Grafschaft Haag begehren. Dieser Schutz innerhalb der Freyung sollte es dem Asylbewerber ermöglichen, den Fall mit seinen Verfolgern und Widersachern zur Klärung zu bringen. Als Geächteter hatte er hier die Möglichkeit, Sühneverhandlungen einzuleiten und das Gnadenrecht zu erwirken. Hatte sich der Asylbewerber in die Freyung begeben, musste er durch seine Prokuratoren (Rechtsvertreter, wovon einer in Haag ansässig war) „Gelait und Versicherung“ durch dreimalige Anrufung des Burgherren erbitten. Daraufhin wurde er zur Feststellung der Rechtslage vor das herrschaftliche Gericht geladen, ein Anwalt, der Gerichtsschreiber und zwei Rechtssprecher unterzogen den Glaitgleiter einem Verhör, der Fall wurde protokolliert und der Betroffene vereidigt. Dann konnte er von der Grafschaft Haag das Freyungsrecht erhalten. Der Rechtsschutz galt nur für 14 Tage, in denen ein Vergleich oder eine Klärung herbeigeführt werden konnte. Nur mit Wissen der Grafschaft Haag (des Hochrichters) durften schriftliche oder mündliche Nachrichten weitergeleitet werden. Ansonsten musste sich der Glaitgleiter innerhalb der Schranken der Freyung aufhalten, und durfte umherwandeln. Sofern die Widersacher oder Verfolger dem Glaitgleiter nachstellten, hatte man ihn zur besseren Sicherheit in die Burg Haag oder ein anderes sicheres Gebäude aufzunehmen. Jeweils nach Ablauf von 14 Tagen musste das Asylgesuch erneuert werden, der taxierte Geldbetrag (72 Pfennige) vom Glaitgleiter bezahlt werden. Die Verlängerungsmöglichkeit war auf „Jahr und Tag“ beschränkt. Da es sich damit Geld verdienen ließ, wurde das Freyungsrecht vom Kaiser gerne an arme Ortschaften verliehen.

Die Freyung durfte nicht bewaffnet betreten werden, auch nicht vom Verfolger des Glaitleiters. Das galt auch für das Keferhaus (Oberwirt) an der heutigen Hauptstrasse, wo der Glaitleiter teilweise während der Glaitzeit untergebracht wurde. Da sich der Glaitgleiter innerhalb der Schranken der Freyung aufhalten mußte, wurde das sogenannte Freiheim (ein Holzbau) gebaut, als Schutz vor dem Wetter. Das Freiheim befand sich an der unteren Teil der Freyung, die heute die zusätzliche Bezeichnung „Freiham“ hat.

Freyungs-Steine:

Von dem Findling, auf den sich die Glaitgleiter stellen mussten, fehlt heute jede Spur.

In einem Stall in Ramsau und in einem Haus in Albaching befinden sich je ein Freyungsstein eingemauert mit der Jahreszahl 1727 und dem Hochheitswappen der Grafschaft Haag, sowie dem eingemeisselten Wort „FREYUNG“. Bei diesen beiden Granitsäulen dürfte es sich um zwei der genannten 4 Säulen handeln, die als „vier Schranken“ bezeichnet sind.

Diese historischen Notizen stammen aus Forschungsunterlagen von Rudolf Münch, die in einem Buch über Haager Rechte veröffentlicht werden sollen. Wir danken Herrn Münch für die Erlaubnis, seine Forschungsergebnisse hier vorab zu veröffentlichen.